Kirchenwelt

schnuppismama’s November-Blues – die I. – oder auch: Volkstrauertag

November – puuuh! Der Blues hat die schnuppismama voll im Griff. Ich finde diesen Monat emotional extrem anstrengend… Für mich als Christin ist dies der letzte Monat im Kirchenjahr und dieser wiegt schwer mit Buß- und Bettag und Totensonntag – so rein emotional. Zumindest geht es mir immer so. Das triste, graue, dunkle Wetter macht es da auch nicht gerade einfacher – soll es wahrscheinlich aber auch nicht.

Doch zunächst ist diesen Sonntag Volkstrauertag. Es ist kein christlicher Totengedenktag; da haben die beiden großen christlichen Kirchen mit Allerseelen (Katholiken) und Totensonntag/Ewigkeitssonntag (Protestanten) ihre eigenen. An diesem Tag wird der „Toten zweier Kriege an den Fronten und in der Heimat“ sowie „an die Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen“ gedacht. Ich selbst habe zwar nichts direkt von den beiden Weltkriegen mit- oder besser gesagt abbekommen, dennoch betrifft es – wie wohl bei fast jedem – meine Familiengeschichte. So ist mein Urgroßvater Opfer des 2. Weltkrieges geworden. Lange wusste meine Uroma nichts über seinen Verbleib, er galt als vermisst. Was muss das für eine große Liebe gewesen sein, denn sie hat ihn nie aufgegeben und sich daher auch nie neu gebunden, sondern lieber drei Töchter alleine großgezogen. War es da nötig, dass ihr mit Mitte 80 noch ein Brief vom Deutschen Roten Kreuz geschickt werden musste, dass mein Urgroßvater damals verwundet in Kriegsgefangenschaft geriet und dort mit allen anderen Verwundeten unter eine Brücke gelegt und in die Luft gejagt wurde? Hätten meine Oma und ihre beiden Schwestern damals geahnt, was in diesem Brief steht – sie hätten ihn verschwinden lassen. Mittlerweile sind die beiden wieder im Himmel vereint – und sie wird von mir schmerzlichst vermisst…

Jetzt, kurz vorm Volkstrauertag, wandern meine Gedanken mehr denn je zu dem Schicksal meiner Urgroßeltern und Oma. Meine Oma war gerade mal 3 Jahre alt, als ihr Vater „verschwandt“ – genauso alt wie meine Schnuppi jetzt gerade. Fotografie war damals noch lange nicht so alltäglich wie heute und so hat meine Oma auch kein einziges Bild zusammen mit ihrem Vater. Aber was mir derzeit gedanklich besonders schwer zu schaffen macht ist, dass sie sich auch nicht wirklich an ihren Vater erinnern kann. Wie kann das nur sein? Wäre ich später komplett aus Schnuppis Kopf verschwunden? Oder könnte man heute dank Fotos und auch Videos die Erinnerung aufrecht erhalten? Aber sollte man das dann? Und was wäre mit Mini-L? Derzeit bin ich ihr Zentrum, ihre allererste Bezugsperson? Und das wäre dann einfach alles weg?

Immer wieder spuken diese Fragen in meinem Kopf herum… ach Du trister November, Du machst es uns auch nicht leicht. Aber vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht tut uns ein wenig Demut, ein wenig Einkehr, Nachdenklichkeit gut – und Trauer braucht ihren Platz.

Und so versuche ich den November mit seinen traurigen Feiertagen zu meistern, warte innerlich aber schon mit schwerem Herzen sehnsüchtigst auf den Beginn des Advents. Aber ich will dem November nicht Unrecht tun und ihn hier als durch und durch trist-traurigen Monat stehen lassen. Schließlich gibt es doch auch noch diese Lichtblicke wie St. Martin. Mit der wundervollen Laterne, die Schnuppi mit einer unvergleichlichen Ausdauer geschaffen hat, waren wir gleich zweimal zum Laterne laufen – und zwar so ganz christlich mit St. Martin und nicht zum „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest„… Nein, wir (Christen) wollen mit diesem Fest niemanden diskriminieren – wir möchte einfach nur unseren Glauben und unsere Traditionen pflegen und leben!

Und dieser wunderschöne Himmel heute früh über unserem Haus war für alle da 🙂

IMG_0523 - Kopie

Alles Gute für Euch da draußen
Eure schnuppismama

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9 Kommentare zu „schnuppismama’s November-Blues – die I. – oder auch: Volkstrauertag

  1. wenn ich diese geschichten lese, bekomme ich immer schwerste gänsehaut. es ist soviel schlimmes in dieser zeit passiert. auch meine oma hat ihre jugendliebe im krieg verloren, sie war 19 und er ist einfach nicht mehr nachhause gekommen. so wirklich verschmerzt hat sie es nie. mein opa ist deutlich jünger und wurde „nur“ ganz am ende in österreich eingezogen, musste aber zum glück nicht an die front, die beide haben sich jahre später kennengelernt.

    ich glaube, dass die erinnerungen von kindern so unter 5 im unterbewusstsein haften, dass es aber wenig bewusste momente gibt, an die sie sich erinnern. da stellen sich aber mit sicherheit viele weichen für emotionale bindungen, die man beeinflusst. ob sie ohne foto das gesicht abrufen könnten… wahrscheinlich nicht.

    ein trauriger post, aber auch dafür muss zeit und raum sein.

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    1. Ja, da bin ich mir sicher, dass natürlich schon gute „Grundsteine“ im Unterbewusstsein gelegt werden. Ich vertraue darauf, dass jedes schöne Erlebnis, die Geborgenheit & die Liebe nicht nur in dem Moment selbst sondern auch für die Zukunft wertvoll sind.
      Auch muss man sicherlich bedenken, dass es noch mal ein Unterschied ist, ob es sich um die erste Bezugsperson handelt, die 24 Stunden am Tag verfügbar ist oder um die Person, die den Lebensunterhalt für die Familie erwirtschaftet und daher gerade tagsüber während der meisten „Kinder-Wachzeit“ abwesend ist.
      Es hat mich schlichtweg erschüttert, Schnuppi könnte mich vergessen, wäre ich „morgen weg“, haben wir doch so eine innige Bindung. …Mama-Hormone machen solche Gedankengänge auch nicht gerade einfacher…

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  2. Du sprichst mir aus der Seele…November Depri trifft mich jedes Jahr.
    Und diese Gedanken kommen mir auch immer so dieser tristen Jahreszeit…wie würd eich weiter leben, wenn eins der Kinder stirbt?? Und auch wie Du…wäre ich schnell vergessen von den Jungs wenn ich nicht mehr da wäre???
    Jetzt weiß ich auch nicht, was ich schreiben soll. Ich freue mich auf die Adventszeit wenn alles hell wird und die Hoffnung kommt, dass das alles nie passieren wird (also nicht in nächster Zeit).
    Ich drück dich aus der Ferne…

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