aus dem Mama-Leben

„Ist die Oma ohne Schuhe in den Himmel geflogen?“

Ich weiß, ich weiß, der November ist vorbei und ich hatte das Ende des Blues angekündigt. Nun ist Advent, der doch schließlich die Ankunft des Herrn und ein freudiges Fest verheisst. Doch der Tod richtet sich nicht immer nach dem Kirchenjahr – oder eben doch:

Der Ewigkeitssonntag wurde für uns wort-wörtlich zum Totensonntag, denn meine liebe Schwiegeroma hat für immer die Augen geschlossen. Wie sagt man so tröstend? Es war eine Erlösung. Ja, das war es wirklich. Es war nicht mehr würdig, nicht mehr menschlich, wie sie nur noch dahinvegitierte, voll Schmerz und Qual und nichts mehr könnend. Sie wollte nicht mehr und wurde endlich erhört. Doch natürlich ist da trotzdem die Trauer, die Trauer der Hinterbliebenen. Und das ist auch gut so. Es wäre doch schon seltsam, würde einem ein lieber Mensch nicht fehlen. Aber man war schon ein wenig vorbereitet…

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Was ich zwar ahnte, worauf ich aber beim ersten Mal nicht vorbereitet sein konnte, waren die Fragen von Schnuppi- und derer hatte sie unendlich viele. Verständlich! Regelrechte Löcher hat sie mir in den Bauch gefragt – und diese Fragen hatten es mit ihrer kindlichen Logik in sich. Sie waren einerseits eine wahre Herausforderung – andererseits machten sie es auch irgendwie ein Stück weit leichter.

„Wo ist die Oma jetzt?“ – „Beim lieben Gott im Himmel.“
„Und ihre Schuhe?“ – „Die braucht sie jetzt nicht mehr. Die sind hier auf der Erde geblieben.“ – „Man darf aber nicht ohne Schuhe rausgehen!“

„Ist die Oma in den Himmel geflogen?“ – „Ja, ihre Seele. Den Rest braucht sie da oben jetzt nicht mehr.“
„Was ist SEELE?“ – „Das ist das, was Dich da drinnen ausmacht. Deine Seele, das bist Du.“

„Und zum Friedhof bringen wir ihren Sack?“ – „Nein, mein Schatz, ihren SARG. Ein Sack ist wie eine Tüte. Ein Sarg ist wie eine Kiste.“
„Was ist in der Kiste?“ – „Da ist das von ihr drin, was sie nun nicht mehr braucht.“ – „Ihre Schuhe?“ – „Die auch. Und ihr Körper.“

[…]

Ich habe keine Ahnung, wieviel Schnuppi verstanden hat. Wieviel kann ein Kleinkind von etwas verstehen, was wir selber nicht recht begreifen oder gar erklären können.

Auf der Beerdigung haben Mini-L und ihre gleichaltrige Baby-Cousine abwechselnd den Ton angegeben und Maxi-L mit ihrer gleichaltrigen Cousine all ihren Fragen und Anmerkungen freien Lauf gelassen. Ich hätte mir gewünscht, Schnuppi hätte erst etwas später in ihrem Leben das erste Mal Abschied nehmen müssen. Aber vielleicht ist es so sogar leichter für sie, wenn sie es von Kleinauf so lernt wie es ist: der Tod gehört zum Leben. Scheu und falsche Vorsicht waren mir da vollkommen fehl am Platze.

Die Beerdigung ist nun eine knappe Woche her. Die Oma ist immer mal wieder Thema. Ob wir sie jetzt nicht mehr im Pflegeheim besuchen, ob es ihr jetzt wieder gut geht und warum sie denn nun gestorben sei. Alt und krank war die Oma – meine immer wiederkehrende Antwort. Mittlerweile ist die Oma schon zur alten Oma geworden – und immer mal wieder schaut sie zum Himmel und winkt…….

.

Randbemerkung: Ja, ich bin eine recht vorsichtige Mama, weiß das aber und arbeite – mit Erfolg – an mir. Dass aber, wenn es Kritik gab, dass ich meine armen Kinder zu so etwas Schlimmem wie einer Beerdigung zwinge, von seiten derer kam, die das „Helicopter-Eltern-Verhalten“ am meisten ankreiden, fand ich schon recht… amüsant?!

Physisch herausfordern und psychisch in Watte packen? Ich suche mir dann mal „unsere Mitte“ 🙂

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8 Kommentare zu „„Ist die Oma ohne Schuhe in den Himmel geflogen?“

  1. Nochmal mein Beileid für euch alle!

    Ich finde es richtig und gut wie Du mit Schnuppi umgehst. Du hast recht, der Tod gehört dazu und warum sollte man das verschweigen / kleinreden? Es ist wichtig, dass man von Anfang an damit aufwächst. Und dass Du sie mit zur Beerdigung genommen hast war auch richtig. Ist dch nichts schlimmes. Ich verstehe das nicht. Das Leben besteht nunmal aus Geburt und Tod – so ist das.

    Anfang des Jahres starb der Onkel von meinem Mann. Ich wollte eigentlich auch mit den Jungs auf die Beerdigung bzw nur mein Mann mit bigBro. Aber die Entfernung war recht weit und dann ist bigBro krank geworden und wir haben es gelassen. Aber ich finde das vollkommen normal dass die Kinder mitgehen.

    P.S.: Ich bin KEINE HelicopterMama wie Du weißt 😉

    LG

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    1. So sehe ich das auch. Auch kleine Kinder haben durchaus einen intuitiven Zugang, mit dem Tod umzugehen. Und warum sollte man aus falsch verstandenem Beschützerinstinkt heraus den Kindern die Chance nehmen, so ein Ereignis zu verarbeiten? Das ist ein Stück Lebenstauglichkeit und psychischer Stabilität, was sich die Kleinen dort erarbeiten…

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  2. Bist du eine Helikopter- Mama? Ich finde nicht. Ich finde, von dem, was ich aus der Ferne so mitbekomme, dass du alles genauso machst, wie es für euch am Besten ist. Sicher packt man an der einen oder anderen Stelle sein Kind in Watte. Aber dann ist das in der Situation sicher von Nöten (egal mit welcher Bestimmung) und Eltern sind doch sowieso ewig in der Reflexion.
    Und wer ist in Sachen Erziehung ein besserer Ratgeber, als das Gefühl? 😉

    Ich unterschreibe bei Kuchenduft und Kinderlachen, denn euer Verhalten bezüglich des Todes der Uroma finde ich goldrichtig. Und ganz ehrlich: Ich hoffe, irgendwann genauso agieren zu können, wenn ich „muss“… Aber hoffentlich noch nicht so bald 😉

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    1. Nein, Helicopter-Mama nicht, aber durchaus vorsichtig und an manchen Stellen auch übervorsichtig, das weiß ich. Wo ich mich dann – mit Überwindung – bewusst zurückgenommen habe, war direkt positiv bei Schnuppi zu merken.
      Fand es nur etwas seltsam, dass Kritik wenn von „coolen Müttern“ kam.
      Aber das sollte wirklich nur die Randbemerkung sein 😉

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  3. Ich kann dir jetzt keinen Ratschlag geben, wie ich es mit einem Kind machen würde, weil wir noch keine Kinder haben, aber ich kann dir sagen, wie meine Eltern es gemacht haben. Als ich so ungefähr 4 oder 5 war, ist meine Urgroßmutter, die Mutter meiner Oma, gestorben…und ich war auch mit auf der Beerdigung. Erstmal weil ich schon als kleiner Zwerg gemerkt habe, dass meine Oma mich da jetzt irgendwie braucht und dann wollte ich ja der lieben „Muddel“ auch auf Wiedersehen sagen. Meine Eltern haben mir erklärt, dass Muddel jetzt bei ihrem Mann und bei meinem Opas ist und sie jetzt alle zusammen auf mich aufpassen. Das fand ich schon damals ziemlich cool.
    Ich finde, dass du das richtig so gemacht hast…der Tod gehört (leider) zum Leben dazu und man wird zwangsläufig damit konfrontiert…aber wenn man eine Familie hat, die einen tröstet, die da ist und alles erklärt, dann fällt es einem doch leichter damit umzugehen. War jedenfalls so bei mir.
    Meine Urgroßmutter ist übrigens damals noch im offenen Sarg beerdigt worden und meine Eltern wollten nicht, dass ich das sehe…aber ich hab mich trotzdem hingeschlichen, weil ich mich ja verabschieden mußte. Hab dann wohl auch noch ne ganze Weile da gesessen und der Muddel noch so erzählt, was ich so gemacht habe… 🙂
    Also immer schön weiter auf den eigenen Bauch hören…irgendwer weiß es eh immer besser 😉

    P.S.: unbekannterweise auch nochmal herzliches Beileid

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