Kindergartenstories

Wenn Krippenkinder aufs Leben vorbereitet werden: „betriebsbedingte Kündigung“?!

Sich machtlos fühlen ist wohl mit das Schlimmste für eine Mutter.
Da hat man so schön geplant und organisiert und das alles für nichts?

Richtig reingehangen hatte ich mich, als um Schnuppis ersten Geburtstag klar wurde, dass wir noch einmal umziehen und bauen werden. Es ging gar nicht mal so weit weg, gerade mal 20 Kilometer trennen das alte vom neuen Heim. Die ersten Babykurse liefen aus, waren sowieso nicht direkt in unserem Dorf. Also ergriff ich die Gelegenheit, unseren Lebensmittelpunkt möglichst direkt von der Noch-Heimat in die Bald-Heimat zu verlegen. Das Grundstück war noch nicht gekauft, der Vertrag mit der Baufirma steckte noch in Details, aber ich hatte schon die erste Krabbelgruppe gefunden. Während der Bauphase hatte ich so schon zwei bis drei Kurse/Treffen pro Woche in der neuen Heimat und verband diese mit regelmäßigen Besuchen auf der Baustelle. Schnuppi sah das Haus „wachsen“ und lernte ein Leben in der neuen Heimat kennen.

Auch die Betreuungsfrage musste aufgrund von Anmeldefristen bereits geklärt werden bevor wir umzogen. Ich schaute mir insgesamt vier Kindergärten an. Da der erste Kindergarten nur eine Nachmittagsbetreuung anbot, die für uns nicht in Frage kam, lasse ich diesen im Folgenden außen vor. Ich war mir zwar noch gar nicht sicher, wie und wieviel ich mein Kind mit 2 Jahren schon fremdbetreuen lassen möchte, aber der zweite Kindergarten (im Folgenden KiGa A genannt) bot auch Spielkreise an, die einem später bessere Chancen auf einen richtigen Kindergartenplatz einräumen sollten. Während der Besichtigung und des netten Gesprächs erfuhr ich, dass auch eine Teilzeitbetreuung möglich ist. Sein Kind nicht direkt fünf Tage abgeben zu müssen sondern auch zwei, drei oder vier Tage wählen zu können, eröffnete mir – auch dank meines tollen Chefs – die Möglichkeit, Schnuppi und mir einen langsameren Einstieg in Kindergarten und Teilzeitarbeit zu ermöglichen. KiGa A überzeugte aber nicht nur mit flexiblen Betreuungszeiten sondern auch von den Räumen, dem Außengelände, der Atmosphäre. Mir war direkt klar, dass dieser Kindergarten in die engere Auswahl kommen würde. Auch dass die Kinder später beim Wechsel von Krippengruppe zu Kindergartengruppe im selben Haus werden bleiben können, war für mich ein entscheidender Aspekt. Die dafür zu gegebener Zeit nötige „Ummeldung/Neu-Anmeldung“ wurde als Formsache beschrieben.

Der nächste Kindergarten, „KiGa B“, entsprach dann eher dem Gegenteil. Auch Schnuppi zeigte sich hier nicht so offen und aufgeschlossen. Als im Gespräch dann auch noch gesagt wurde, dass es später aber nicht für alle Krippenkinder auch einen Kindergartenplatz im Hause gäbe, weil sie da nicht die entsprechenden Kapazitäten für hätten, rutschte dieser Kindergarten direkt nach ganz hinten auf meiner Liste.

Zum Schluss schaute ich mir dann noch einen integrativen Kindergarten, „KiGa C“, an. Eine Krippengruppe, 2 Integrationsgruppen und 2 heilpädagogische Gruppen. Auch hier wurde mir im Gespräch versichert, dass die „Ummeldung“ von Krippe zu Integrationsgruppe reine Formsache sei und Krippenkinder da Vorräng hätten. Von der Einrichtung / dem Angebot her unschlagbar. Die Atmosphäre und Stimmung direkt mitreissend. Sofort war mir klar, welcher Kindergarten es werden soll: HIER SOLL SCHNUPPI HIN!

Nun ist es dann so, dass man seine Anmeldung direkt im Wunsch-Kindergarten, in unserem Fall also im KiGa C, abgibt und noch einen Zweit- (KiGa A) und Drittwunsch (KiGa B) angibt. Anmeldeschluss ist immer der 31. Januar eines jeden Jahres für das dann nach den Sommerferien desselben Jahres startende Kindergartenjahr. In einer Sitzung der Stadt werden dann alle Anmeldungen auf die Kindergärten verteilt, wobei natürlich möglichst der Erst-, sonst der Zweit- oder auch Drittwunsch erfüllt werden sollen. Wochen des Wartens und Hoffens begannen, denn erst um Ostern herum bekommt man dann direkt von dem Kindergarten, der einem zugeteilt wird, den Bescheid. Ich war regelrecht aus dem Häuschen, als ich den Brief vom KiGa C in den Händen hielt. Juchu, wir hatten einen Platz in diesem begehrten Kindergarten ergattert. Innere Freudentänze führte ich auf! Wir hatten es geschafft! In diesem Kindergarten wird meine Schnuppi nun also ihre unbeschwerten Jahre verbringen dürfen bevor dann mit der Schule der Ernst des Lebens beginnt. Aufgrund der lieben Politik hatte der Kindergarten seine U3-Kapazitäten auf zwei Krippengruppen ausgebaut.

Im Sommer wird Schnuppi nun ihre zwei Krippenjahre in diesem Kindergarten beenden. Brav habe ich auch dieses Mal wieder die Anmeldung ausgefüllt – diesmal für einen Platz in einer der beiden Integrationsgruppen. Ich habe sogar artig den Zweit- (KiGa A) und Drittwunsch (ein evangelischer KiGa) angegeben – nicht nur der Vollständigkeit halber. Denn mit Erhöhen der Krippenkapazität wurde leider eben diese für die Integrationsgruppen nicht angepasst. Ich habe also auch noch fleissig den Bereich soziale Aspekte beantwortet mit der Wohnnähe zum KiGa, der Nötigkeit eine Einrichtung zu haben, wo Maxi-L und Mini-L zukünftig beide hingehen können (eine Wiederaufnahme der Berufstätigkeit ließe es nicht zu, morgen und mittags/nachmittags zwei Kindergärten für das Bringen und Abholen anfahren zu müssen) und nicht zuletzt den psychischen Aspekt. Ein Wechsel wäre für meine Große eine emotionale Härte, die ich unzumutbar finde. Klar, ich kenne den Spruch:

Ein Drittel der Kinder hat AD(H)S, ein Drittel der Kinder ist hochbegabt und ein Drittel der Kinder hat Eltern ohne Profilneurose.

Doch eine extreme Sensibilität auf auch nur kleinste Veränderungen ist bei Schnuppi nicht von der Hand zu weisen. So sanft hatte ich ihr den Umzug gestaltet, an unser altes Zuhause kann sie sich schon lange nicht mehr erinnern, in ihrem neuen Zimmer hat sich ihr Schlafverhalten direkt mit dem Einzug sehr zum Positiven verändert – aber dennoch ist mit dem Umzug ein Problem aufgetreten, an welchem wir noch heute laborieren. Es scheinen Kleinigkeiten (wie z.B. ein simpler Fieberinfekt), die mein Kind aus der Bahn werfen können. Der Kindergarten (Erzieherinnen, Leitung) weiß um diese Problematik, ist eng involviert, stand bisher beratend, unterstützend und auch tröstend zur Stelle.

Und trotzdem droht meinem Kind jetzt ein Kindergartenwechsel, der „Rausschmiss“, die „betriebsbedingte Kündigung„. Viel zu viele Anmeldungen und zu wenig frei werdende Plätze. Sogar für die „internen“ reichen die freien Plätze lange nicht aus. Zwar hat Schnuppi – wenn wir bei dem Vergleich bleiben – einige „Sozialpunkte“ gesammelt, aber auch andere können davon scheinbar reichlich aufbieten. Nun werden Schicksale gegeneinander abgewogen…

Ich weiß, das Leben ist hart und man soll seine Kinder darauf vorbereiten.
Man kann, darf und soll sie nicht auf ewig in Watte packen.
Aber muss man bereits einem Kleinkind so etwas unzumutbares antun?

Ich bin fassunglos, machtlos, hilflos…
…und es bleibt mir nichts als die Hoffnung…
…eine schwindend geringe Hoffnung…

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5 Kommentare zu „Wenn Krippenkinder aufs Leben vorbereitet werden: „betriebsbedingte Kündigung“?!

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