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Nachlese – Der besondere Pfingstsonntag 2014: Hallo Lieblingspastor!

PROLOG

Pfingsten – der Geburtstag der Kirche! Was für ein genialer Termin für einen Einführungsgottesdienst! Für mich war es eine Premiere. Zwar bin ich sehr Kirchenverbunden mit jeder Menge Ehrenämter in der Familie aufgewachsen, aber einen Einführungsgottesdienst hatte ich noch nicht miterlebt. Diesen wollte ich aber auf keinen Fall verpassen, denn der Pastor, der da die zweite Pfarramtsstelle in unserer Kirche hier bekommen hat, ist mein neuer Lieblingspastor. Einfach weil er wirklich ein Pastor ist. Pastor ist für mich nicht einfach ein Beruf – es ist eine Berufung. Leider füllen nicht alle, noch nicht mal wirklich viele, diese Position heute noch wirklich aus.

Der Pastor, der mich damals getauft hat, das war so ein richtiger Pastor. Er hatte was. Eine Aura, ein Auftreten – ein ganzer Pastor. Ihm ist schwer das Wasser zu reichen. Und er wird von meiner ganzen Familie und mir schmerzlichst vermisst, seit er im letzten Jahr mit 90 Jahren zum lieben Gott ging. Er hatte quasi Familienanschluss, ja, ich lehne mich so weit aus dem Fenster zu sagen, dass er ein Familienmitglied war. Trotzdem haben wir ihn gesietzt – auf eine respektvolle und liebevolle Art. Es passte einfach. Es war kein SIE wie zu einem Fremden. Es war genau das SIE für unseren geliebten Pastor, voller Anerkennung, Zuneigung und Respekt!

Als er damals – leider bereits vor meiner Konfirmation – in den Ruhestand ging und sein Nachfolger in unsere Gemeinde kam, wartete ich die ersten Wochen und Monate darauf, dass ER jetzt UNSER Pastor wird. Dass das auch so wird und er auch so ist wie der andere war. Natürlich keine Kopie, kein Doppelgänger, schon gar kein Klon – aber eben ein PASTOR! Ich wartete vergeblich und lernte, dass so ein Pastor, wie wir ihn hatten, leider keine Selbstverständlichkeit ist. Es traf mich hart mit meinen 14 Jahren.

Vergeblich gewartet? Nein, einfach nur lange – denn nun ist da wieder ein – HALLELUJA!

Als wir vor nun ziemlich genau 2 Jahren hierher zogen sind, zog es mich auch schnell in unsere neue Kirchengemeinde. Ohne Kirche ist einfach undenkbar für mich. Es ist eine recht große Gemeinde hier, die komplette Gemeinde ist auf 3 Kirchen / Gemeindeteile aufgeteilt; ich hatte nicht direkt einen Überblick. Auf den ersten Blick viele verschiedene Pastöre, selbst in unserem Gemeindeteil mehrere.

Aber dann stand Knuppsis* Taufe an. Hierfür verbrachte ich erstmal einige Zeit bei der netten Dame im Gemeindebüro und alsbald folgte der Besuch von DEM Pastor wegen des Taufgesprächs. Er ist ein junger Pastor – also für einen Pastor. Jung ist ja relativ, denn schließlich ist er „schon“ unser Alter – die 40 ist in Sicht 😉 Keine Frage, er ist gänzlich anders als mein hier zuerst erwähnter Pastor. Aber er ist ein Pastor – anders kann ich es nicht beschreiben. Er hat sich Zeit genommen, er ist auf uns eingegangen, er hört sehr gut zu – und er hat einen Draht zu Kindern. Unsere zunächst extrem schüchterne Schnuppi hatte er schnell für sich eingenommen.

Da Schnuppi auch schon zu diesem Zeitpunkt ein sehr großes Interesse an Gott und der Kirche zeigte (allabendlich regelrechte Frage-Bombardements im Bett), wir Kindergarten- und auch bald Altersbedingt ihre vorherige Baby-/Kleinkindgruppe mit christlichem Hintergrund nicht mehr besuchen konnten, ergriff ich die Gelegenheit und fragte beim Pastor nach, was unsere Gemeinde uns denn für Schnuppi anbieten kann. Die Kinderkirche – so hatte ich es dem Kirchenbrief entnommen – wurde nämlich erst ab 4 Jahren angeboten. Aber natürlich ließ uns dieser Pastor nicht im Regen stehen. Wohl gemerkt, wie wichtig mir mein Glaube und auch die Kirche ist, bot er uns an, dass ich Schnuppi doch einfach die erste Zeit begleite und sie dann sehr gerne schon mit ihren damals baldigen 3 Jahren kommen dürfe. Gesagt, getan. Und sie liebt es! Leider ist die Kinderkirche relativ selten und gerade dieses Jahr passt es noch seltener in unseren Kalender, aber das sollte ab Herbst wieder besser werden.


 

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Als ich nun in unserem aktuellen Kirchenbrief las, dass unser Lieblingspastor bleibt, dass er eine feste Stelle hier bekommt, da war mir klar, DA MUSS ICH HIN! Und es war ein Erlebnis!


 

Der Einführungsgottesdienst unseres Pastors

Es ist Pfingstsonntag. Um 14:40 Uhr mache ich mich bereits auf den Weg zur Kirche. Ich will noch trockenen Fußes ankommen; die Wolken scheinen wirklich vorzuhaben, was der Wetterbericht angedroht hat. Und tatsächlich schaffe ich es noch trocken ins Kirchenschiff – ganz im Gegensatz zu denen, die nach mir eintreten: klitschnass. Plätze gibt es so kurz vor Gottesdienstbeginn nur noch weit hinten und letztendlich ist die Kirche ähnlich voll wie sonst nur an Heilig Abend – von jung bis alt ist jedes Alter vertreten. Ob dieser Pastor wohl beliebt ist? Manches wird einem eben deutlich vor Augen geführt.

Die Orgel beginnt und die Pastoren (inkl. Superintendent) aller drei Kirchen, die zu dieser Kirchengemeinde gehören, ziehen ein. Ich schaue mir das ganz interessiert an, da ich die Pastoren der beiden anderen Kirchen noch nicht kenne.

Und dann startet wirklich ein einmaliger Gottesdienst!

Einer der vielen Höhepunkte:  Alle Pastöre singen zusammen vor der prall gefüllten Kirche einen Gospelsong: „This little light“.

This little light of mine (you know that)
I’m gonna let it shine
This little light of mine (you know)
I’m gonna let it shine (well)
This little light of mine (you know that)
I’m gonna let it shine
Let it shine, let it shine, let it shine

Action! Applaus! So kenne ich Kirche gar nicht. Ungewohnt für mich und nur zögerlich klatsche ich mit. Anderenorts wären Standing Ovations angebracht. Wirklich beeindruckend!

Der offizielle Einführungsteil beginnt mit einem Paukenschlag – quasi. Der Superintendent will mit der Einführung starten, setzt zum Reden an und in dem Moment entladen sich zeitgleich Blitz und Donner direkt über der Kirche! Treffend konstatiert der katholische Pfarrer nach dem Gottesdienst in seinem Grußwort: „Der „neue“ Pastor schlägt ein wie der Blitz!“

Und mein Lieblingspastor wäre nicht mein Lieblingspastor, wenn seine Predigt nicht – wie schon in den Grundzügen der gesamte Gottesdienst – unkonventionellerer Art wäre: Die Predigt über die Verdammnis bringt er uns anhand der Handlung von „Star Wars / Krieg der Sterne“ näher – Lacher garantiert. Tut das gut in der Kirche zu lachen – und gleichzeitig ganz viel verstanden zu haben!

So passt es auch, dass das Vater Unser zum Ende des Gottesdienstes nicht gemeinsam gebetet sondern gesungen wird – nach der Melodie von „I am Sailing“.

Vater unser, Vater unser, Du im Himmel und wir hier,
Deinen Namen, er ist heilig, Deinen Namen ehren wir.

Dein Reich komme, Dein Reich komme, himmelhoch, unendlich weit.
Und Dein Wille soll geschehen heute und zu jeder Zeit.

Und gib Du uns, und gib Du uns, uns das Brot an jedem Tag.
Und vergib uns unsere Schuld, die auf unserer Seele liegt.

Und führ uns nicht in Versuchung, auch in Zweifeln steh uns bei.
Erlös Du uns von dem Bösen, ganz egal was es sei.

Denn dann ist es und dann bleibt es Dein Reich für alle Zeit.
Deine Kraft erfüll uns alle heute und in Ewigkeit.

Und so endet der Gottesdienst selbst auch nicht mit einem „einfachen musikalischen Stück“ sondern mit der Melodie von „Happy“. Genau dazu hat unser Pastor in einem Stadtvideo volle Kanne abgetanzt – brav  hat er sich zu diesem besonderen Anlass ein wenig zurückgehalten (aber wirklich nur ein wenig). Nicht hingegen die Gemeinde. Was für ein Erlebnis, wenn sich eine Gemeinde so sehr über einen Pastor freut und eine solche Stimmung herrscht, dass am Ende die ganze Gemeinde zu HAPPY tanzt!

Der gesamte Einführungsgottesdienst war ein unvergessliches Erlebnis, dass mir auch in der Nachbetrachtung noch eine Gänsehaut beschert. Dankbar, dass ich das erleben durfte und HAPPY, dass wir unseren Pastor nun fest behalten dürfen!

 HALLELUJA!


*Maxi-L alias Schnuppi hat Mini-L diesen Namen verpasst 😀


 

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6 Kommentare zu „Nachlese – Der besondere Pfingstsonntag 2014: Hallo Lieblingspastor!

      1. Ernst und seriös:
        Natürlich kriege ich auch positive Rückmeldungen. Und was du schilderst, gibt es auch aus meiner Richtung: dass es Menschen gibt, Mit denen ich super klarkomme. Sich schätzen auf Gegenseitigkeit. Manche (eher einfach gestrickte) Zeitgenossen haben mir schon in genannter Weise von anderen Pfarrern vorgeschwärmt.. 😉

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  1. Wie schön, dass dir Kirche so viel bedeutet.
    Deine Beschreibung des Einführungs-Gottesdienstes ist wundervoll.
    Dass das Ganze in Happy gipfelt, ist echt ein Zeichen des Wohlfühlens.
    Ich bin ja auch in eine neue Gemeinde gekommen.
    Im Kirchenchor fühle ich mich sehr wohl, wenn ich auch noch nicht alle Namen kenne.
    Liebe Grüße Bärbel

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  2. Das ist ein klasse EinführungsGoDi-Bericht! Ich hab schon viele mitgemacht (bin ja auch schon viel älter als Du 😉 ), und ich weiß genau, was Du meinst! Auf dass Ihr alle Euch gegenseitig ein Segen sein möget!

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