aus dem Mama-Leben

Die Frau im Hosenanzug und das Baby {oder: wie ich versuche, meine zwei Leben zusammenzubringen}

Zwei Tage in der Woche sehe ich nun wieder anders aus, sehr zum Missfallen meiner Töchter, denn sie wissen, dann geht die Mama arbeiten. Nicht, dass sie dadurch jetzt große Nachteile hätten (die Betreuungszeiten sind weiterhin sehr gering), aber Mama ist nicht zu Hause und wäre nicht sofort und gleich greifbar und da. Das ist für meine beiden, ganz besonders aber meine sensible große Motte, eine neue emotionale Herausforderung.

Doch auch wenn Hosenanzug oder Kostüm nicht so kuschelig sind wie die sonstigen Mama-Klamotten, macht das glücklicherweise vorm Knuddeln und Drücken nicht halt: sie stürzen mittags auf mich ein und die Wiedersehensfreude bei uns allen ist unendlich.

Die Frau im Hosenanzug…

Dennoch fühlt es sich für mich da draußen anders an. Wenn ich mit Laptoptasche über der Schulter in die Straßenbahn einsteige, dann bin ich nur noch die Frau im Hosenanzug, die zur Arbeit fährt. Ich habe das Gefühl, ich werde von den Menschen um mich herum ganz anders wahrgenommen, als es die letzten Jahre in meinem alltäglichen Mama-Leben der Fall war. Nichts lässt darauf schließen, dass ich eine Mutter bin, die nun für ein paar Stunden arbeiten geht, um dann wieder ganz in den Mama-Modus zu wechseln.

Ich weiß, dass ich selbst ganz viel in diese Begegnungen hinein interpretiere. Was denkt die Mutter mit dem Tragling / dem Kleinkind, wer ihr da gerade gegenübersitzt? Eine Karriere-geile Frau, die das Beste im Leben verpasst, nämlich Mutter zu sein? Sind das mitleidige, sind das distanzierte Blicke? Oder ist es einfach nur das Glück, dass aus diesen Müttern strahlt, dass sie gerade noch intensiv ihre Mama-Kind-Zeit genießen dürfen? Ich weiß es nicht und spekuliere wild herum, ohne hier irgendjemandem etwas zu unterstellen.

Manchmal würde ich es dann gerne hinausschreien in diese Straßenbahn:

„ICH BIN AUCH EINE MAMA!“

Und dann muss ich innerlich über mich selbst lachen. Will ich so unbedingt, dass das jeder weiß? Definiere ich mich darüber? Bin ich nur als Mutter ganz viel wert? Nein, ganz bestimmt nicht. Ich bin eine eigenständige und wertvolle Person. Ich bin einfach nur so unendlich stolz auf meine Kinder und komme mir ohne sie ein Stück weit unvollständig vor.

…und das Baby

Und ja, ich selbst fühle mich, so ohne meine Kinder und in strengen Business-Klamotten, immer ein wenig anders. Und dann sitze ich da in dieser Straßenbahn und eine Mutter schiebt ihren Buggy direkt vor mich.

Der kleine Junge strahlt mich an. Ich lächele automatisch zurück.

Wie könnte ich da schon widerstehen? Doch dann fühle ich mich plötzlich befangen. Kann und darf ich als Erwachsene überhaupt groß in Kontakt treten mit dem Kind? Wie findet das die Mutter?

Der kleine Junge winkt mir – ich winke zurück.

Wenn eins meiner Kinder dabei ist, dann ist das so einfach mit den anderen Kindern. Man kommt über die Kinder automatisch in Kontakt.

Der kleine Junge brabbelt was und wartet auf meine Reaktion – ich lächele.

Doch so alleine? Ich fühle mich in einer sonst so alltäglichen, normalen Situation plötzlich total unsicher und weiß nicht mehr, wie mit diesem Kind umgehen.

Der kleine Junge wirft sein Spielzeug in meine Richtung, glücklicherweise ist es angebunden.

Ich suche den Blickkontakt mit der Mutter, die sich einfach nur über ihr Kind amüsiert. Sie lächelt mich an. Es scheint sie nicht zu stören, dass ihr Sohn sich mit mir „unterhält“. Vielleicht freut sie sich einfach, dass seinem Kontaktversuch freundlich begegnet wird. Freundlich begegnet… ich schreibe, wie ich mich in dem Moment gefühlt habe… so geschäftlich, so gar nicht privat.

Mutter und Sohn verlassen die Bahn.

Er winkt mir noch einmal zum Abschied, ich winke zurück.

Mach’s gut, kleiner Mann.


Und wie würde ich als Mutter denken? Es ist doch eine ganz normale Situation gewesen.

Und irgendwann bringe ich meine beiden Leben zusammen: dass der „Working“ und das der „Mum“.

IMG_5941

– from business 2 mommy modus in 2 secs –


Manche Dinge mache ich mir echt unnötig schwer…
Eure schnuppismama

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4 Kommentare zu „Die Frau im Hosenanzug und das Baby {oder: wie ich versuche, meine zwei Leben zusammenzubringen}

  1. Die Kleidung macht schon verdammt viel aus im Bezug darauf, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen. Ich bin ja ganz froh irgendwie, dass ich bei der Arbeit genauso rumlaufen kann wie zuhause, das ist der Vorteil, wenn man in der Kita arbeitet. 🙂
    Unvergessen bleibt bei mir auch der total entspannte Vater, der einen wirklich hochbezahlten Job und einen sehr teuren Anzug hatte, und jeden Morgen seinen kleinen Sohn in die Kita brachte, welcher ihm liebevoll auf die Schulter sabberte. 🙂

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    1. Ich gehe seit jeher „chic“ zur Arbeit und ich habe nix dagegen. Es ist auch eine Art Trennung von Berufs- und Privatleben. Genau das ist wohl bei mir gerade der Knackpunkt. Aber den knacke ich noch 😀
      Danke für Deine so wahren Worte!

      Gefällt 1 Person

      1. Stimmt, eine Trennung zwischen Berufs- und Privatleben ist durch die Kleidung natürlich gut möglich – und nun erstmal ungewohnt für dich und die Kinder. Aber das wird sich bestimmt bald ändern.

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