Blogparade

Ob groß, ob klein: Nein heißt Nein – oder? {Blogparade}

Nein heißt Nein, sollte man meinen, oder? Leider scheint dies vor Gericht nicht zu gelten, wenn es beispielsweise um einen Vergewaltigung geht. Hat das Opfer lediglich NEIN gesagt und sich ansonsten nicht gewehrt, ist es quasi selbst Schuld. Ernsthaft? Glücklicherweise scheint es zumindest in kleinen Schritten in eine bessere Richtung zu gehen…

Ob groß, ob klein: Nein heißt Nein – oder?

Auch Runzelfüßchen schrieb über „Nein heißt Nein“ und ihre Sorge, was unseren Kindern eines Tages mit Pornos vermittelt werden könnte, woraufhin Snowqueen vom Blog „Das gewünschteste Wunschkind“ einen Kommentar schrieb, der nicht nur sie sondern auch mich und so wohl (fast) alle, die ihn lasen, sofort hat aufhorchen lassen:

„Nein heißt nein. Ich stimme dir zu – das sollten alle Menschen so lernen. […] Ich bin mir wirklich sicher, dass 100% der Eltern dir zustimmen, wenn du sagst: Wenn eine Frau Nein zu Sex sagt, dann muss ein Mann das als Nein akzeptieren. Ich bin sicher, dass 99% der Eltern ihren Kindern das so auch beibringen (wollen), und mit ihnen sprechen, wenn sie alt genug sind. Doch wie viele Prozent der Eltern haben vorher schon, als die Kinder klein waren, mit ihren unbewussten Taten[…] das ‚Nein heißt Nein‘ widerlegt? Denn was lernt ein Kind, das laut ‚Nein‘ sagt und dann doch machen muss, was die Eltern wollen? Es lernt, dass der Stärkere bestimmt, wann ein Nein wirklich ein Nein ist. Das Lernen findet also sehr viel früher und eindrücklicher statt, als den meisten Menschen klar ist… […]“

Wer die Macht hat, setzt sich also durch? Ein Kommentar der zum Nachdenken anregt und welcher Runzelfüßchen dazu veranlasst hat, eine Blogparade dazu zu starten:

Nein heißt Nein – aus Elternsicht

Wie geht man damit um, wenn das Kind nein sagt. Welche Grenzen überschreiten wir, welche halten wir ein. Dieser Post hier ist ein Aufruf an euch, über eure Erfahrungen zu bloggen. Anfang nächster Woche wird auch Susanne dazu bloggen und ihr könnt euch hier oder bei Susanne oder bei uns beiden verlinken.


Leben wir das ‚Nein heißt Nein‘ unseren Kindern vor?

Das war wohl die erste Frage, die ich mir stellte, nachdem ich das alles gelesen hatte. Und diese Frage beschäftigt mich nicht gerade wenig derzeit. Also habe ich versucht, es für mich zu sortieren, wie das bei uns ist und ob wir das einigermaßen gut machen.

Eltern neigen in der Regel dazu, sich selbst am schärfsten zu kritisieren. Noch nie in meinem Leben habe ich mein Handeln so oft und immer wieder hinterfragt wie seit dem Moment, wo ich Mutter geworden bin. Es ist eine unglaublich große Verantwortung, die man da trägt, denn man hat die Verantwortung für einen ganzen Menschen, wir mittlerweile für zwei.

Wenn ich nun also anschaue, wie respektvoll wir mit dem Nein unserer Kinder umgehen, dann fallen mir als erstes Situationen ein, wo wir es besser machen könnten, wo wir uns andere Wege überlegen sollten – das wurde mir bei diesem wachrüttelnden Kommentar sofort klar! Doch gleichzeitig möchte ich auch nicht zu hart mit uns ins Gericht gehen, denn an vielen Stellen machen wir das wirklich gut.

Mein Körper gehört mir

Kennt Ihr das gleichnamige Buch? Empfohlen ab 5 habe ich es vor einiger Zeit für unsere Mäuse geholt. MiniL konstatiert noch enttäuscht, dass ihr die richtige Geschichte fehlt und auch MaxiL war beim erstmaligen Vorlesen irritiert. Ich kann es aber wirklich nur empfehlen, da es um Grundsätzliches geht und keine seltsamen Dinge passieren, die die Kinder eventuell verstören könnten. Es wird erklärt, dass es okay ist, wenn man mal nicht / nicht mehr gekitzelt werden möchte, wenn man der Tante kein Bussi und vom Onkel keine dicke Umarmung möchte und dass hier ein NEIN eben NEIN heißt. Und gerade, was körperliche Nähe angeht, gibt es für mich beim Nein keine Ausnahmen. Es ist ein wichtiges Nein, dass bei Kindern immer akzeptiert werden sollte, ja muss!

Regeln und Grenzen

 

Betrachte ich, abgesehen davon, unseren Alltag mit den Kindern, dann gibt es aber auch sehr viele Situationen, wo ich das Nein der Kinder nicht so hinnehmen kann. Es gibt Regeln und es gibt Grenzen – sei es zum Selbstschutz der Kinder oder um des friedvollen Zusammenlebens als Familie willens. Spätestens wenn hier für uns im nächsten Jahr der Schulalltag startet, dann geht ein „Nein, ich stehe heute nicht auf.“ oder „Nein, ich will heute zuhause bleiben.“ auch einfach nicht mehr. Und auch wenn wir es derzeit auch gerne mal ausnutzen, dass es eben keine Kindergarten-Pflicht gibt und wir uns gerne mal außer der Reihe frei nehmen, so gibt es eben Tage, wo es keine Ausnahme geben kann und es nicht nur nach Lust und Laune geht.

Der schmale Grat, den es zu bewältigen gibt, liegt zwischen wirklich wichtigen und vielleicht nicht wirklich nötigen JAs und NEINs. Sich selbst als Eltern zu hinterfragen, ob manches NEIN der Kinder nicht einfach mal beJAht werden kann und gleichzeitig die NEINs, die man verNEINt, auch wirklich nötig sind – und dies dem Kind auch vermitteln kann.

Ich denke, das Wichtigste ist, dass Kinder es nachvollziehen können, warum ein bestimmtes NEIN von ihnen abgelehnt wird. Dass sie verstehen, dass sie damit gerade selbst eine Grenze  überschreiten oder eine Regel missachten. Hier liegt es auch an uns Eltern, selbst diese Grenzen und Regeln einzuhalten.

Wenn ich meinen Kindern zeige, dass auch ich nicht mit einem NEIN mit dem Kopf durch die Wand kann, aber jedes NEIN, was mich selbst angeht, wo etwas mit mir passiert, was bei mir eine deutliche Grenze überschreitet, unumstößlich ist, dann bin ich schon ein großes Stück weiter.

Das ist nicht leicht, das gibt es viel zu tun und an sich zu arbeiten – aber ist das nicht grundsätzlich so im Leben mit Kindern? Ich bin jedenfalls sehr froh über diese Anregungen – mit ein Grund, warum ich so gerne Elternblogs lese!

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Lasst uns unseren Besten weiterhin unser Bestes geben!

Eure schnuppismama

 


 

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3 Kommentare zu „Ob groß, ob klein: Nein heißt Nein – oder? {Blogparade}

  1. Danke für diesen schönen Post.
    Ich sehe es so wie Du.
    Natürlich heißt nein, nein. Wenn ich die Kinder frage, ob sie noch etwas essen wollen, ob wir raus gehen wollen etc ist es klar, dass ich das so akzeptiere.
    Aber, wie Du sagst, kann ich nicht bei jedem Nein nur „Ja und Amen“ sagen. Sonst würden wir an keinen Tag in den Kindergarten gehen, die Jungs würden erst um 8 aufstehen, niemals aufräumen und sich nie Schuhe anziehen.
    Wenn ein nein kommt, dass ich nicht akzeptieren kann, erkläre ich aber warum das nicht geht. Manchmal wird es verstanden, machmal nicht. Sie müssen halt auch lernen, dass man mache Sachenmachen muss, die aber keinen Spaß machen. Ich würde morgens auch lieber liegen bleiben und keinen Haushalt machen. Aber so funktioniert es halt nicht. Und genauso erkläre ich das auch. Wenn es heißt „Nein, ich mag die Spülmaschine nicht ausräumen“, erkläre ich, dass das mir auch keinen Spaß macht, aber man manche Sachen halt einfach machen muss und biete dann an, ihm zu helfen.

    Liebe Grüße, Steffi

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  2. Ich halte es mit der Faustregel nur dann zu fragen, wenn ein Nein auch eine legitime Antwort ist. Wenn wir zum Arzt müssen sage ich nicht „Komm, magst du dich anziehen lassen? Wir müssen zum Arzt“ sondern ich sage (und zwar auch schon weit im Voraus, wenn möglich, damit dass Kind sich darauf vorbereiten kann), dass und wann wir zum Arzt müssen. Also zB am abend zuvor: „Morgen haben wir einen Termin beim Arzt. Wir müssen direkt nach dem Frühstück los.“ Und am morgen nach dem Aufwachen „Wir müssen nach dem Frühstück uns direkt anziehen und los gehen.“ Nach dem Frühstück entsprechend „Komm her zum anziehen, jetzt müssen wir los.“

    Natürlich sagen Kinder auch dann Nein, wenn keine Frage gestellt wird. Und in der Regel akzeptiere ich das. Ich kann aber ein „Nein“ zum Händewaschen zB nur dann akzeptieren wenn danach mit den schmutzigen Händen nichts schlimm dreckig gemacht wird. In der Regel versuche ich Alternativen zu finden (Hände vielleicht lieber in der Dusche waschen? In der Küchenspüle? In einer kleinen Schüssel?), die für Kind und mich annehmbar sind. Das kann auch mal heißen, dass der gröbste Dreck von den Händen nur abgewischt wird. Ich glaube es war Nicola Schmidt (artgrechet Projekt) die dazu die Leitfrage „Tut es Not?“ in den Raum stellte. Oft sind Dinge, die man von Kindern will eben keine Not-Wendigkeit, es passiert überhaupt nichts, wenn man das Nein des Kindes akzeptiert. Außer vielleicht, dass man mehr putzen muss. Oder man den „Kampf“ nicht gewinnt 😉

    Es hängt auch vieles vom Alter des Kindes ab, denke ich. Mein Großes ist erst 2 – eine Zeit in der bekanntlich sehr viel Nein gesagt wird. Ich versuche davon viele zu akzeptieren, aber man merkt auch, dass das Verständnis von „Nein“ noch nicht voll ausgereift ist. Das ist gerade im Reifen und darum ist es wichtig, es oft anzunehmen – aber eben auch deutlich zu machen, was die Folgen des akzeptierten Neins sind. Wenn mein Kind bei der großen Straße nicht auf den Arm will um sie zu überqueren, bleiben wir auf der Seite auf der wir sind. Das ist für mich okay (wenn die Zeit da ist). Die Alternative, das Kind an einer Ampel- und zebrastreifenfreien viel befahrenen Straße allein darüber trödeln zu lassen noch nicht. Das wird anders, wenn das Kind versteht, dass es zügig laufen muss – und was für eine große Gefahr Autos sind.

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