aus dem Mama-Leben

Vom Fahrradfahren und Schwimmen lernen {Habemus Seepferdchen}

Wisst Ihr noch, damals, also im Frühling diesen Jahres? Da fing die Schnuppi ihren Schwimmkurs an. Nachdem wir einen ersten Versuch abgebrochen hatten, schien es ihr dieses Mal nicht wirklich leichter zu fallen und ich traf die schwere Entscheidung, dass sie diesen Kurs nun dennoch machen muss. Viele von Euch haben mitbekommen, wie es mir seinerzeit damit ging, wie emotional belastend das alles für mich war und wie ich versuchte, mein Kind auf dem Weg zum Seepferdchen zu begleiten.

Vom Fahrradfahren und Schwimmen lernen

Es gibt für mich einfach Dinge, die ich als alternativlos ansehe, die mein Kind unbedingt können muss. Eines ist da zum Beispiel das Fahrradfahren. Klar, es ist nicht überlebenswichtig, mein Kind muss keine körperliche Gefahr fürchten, wenn es nicht Fahrradfahren kann (da ist ja fast das Gegenteil der Fall), aber Ihr wisst, wie grausam Kinder im Miteinander sein können. „Was, Du kannst nicht Fahrrad fahren?“ Nein, das wollte ich unbedingt verhindern. Der elegante Weg vom Laufrad direkt aufs Fahrrad blieb Schnuppi leider verwehrt, denn es scheiterte schon am Laufrad fahren; ein Fuß klebte immer am Boden und so lief stolperte sie mit ihrem Laufrad vorm Haus auf und ab. Mit Stützrädern gewöhnten wir sie langsam an das Gefühl, auf dem Fahrrad zu sitzen und in die Pedalen zu treten. „Hihi, guck mal, die fährt noch mit Stützrädern!“ waren die Reaktionen der Kinder – und als Mutter darfst Du Dir auch gleich Kritik anhören, dass man heutzutage ja nun keine Stützräder mehr benützt. Weil ja alle Kinder gleich sind und gleich lernen… *ommmm*

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Letztendlich war ein Roller die Lösung, und zwar in jeder Hinsicht: mit ihrem Roller konnte sie mit den anderen Kindern wie eine Große mithalten, ohne deren Hohn ausgesetzt zu sein und sie trainierte damit das Gleichgewicht und das schnellere Fahren, ohne mit einem Fuß auf dem Boden zu kleben. Was soll ich sagen? Zwei Wochen später fuhr sie plötzlich Fahrrad – und das direkt total sicher! Es hatte nur das „Klick“ gefehlt, der Mut und das Vertrauen in sich selbst, das wirklich zu können.

Vom Suchen und Finden des richtigen Weges

Ja, beim Fahrradfahren hatten wir den richtigen Weg eingeschlagen und dadurch die Lösung gefunden. Und beim Schwimmen, wie sollte es da weitergehen? Schwimmen ist nun wahrlich überlebenswichtig. Und jetzt, genau jetzt, war noch die Zeit, dass ich, ihre Mama, sie durch diesen Schwimmkurs begleiten konnte – und sie ihn nicht später in der Schule alleine schaffen müsste. Ich zog also durch und begleitete mein Kind so gut es ging. Ich machte Mut, ich spornte an, ich sprach Belohnungen aus. Aber vor allem gingen wir, die ganze Familie, mindestens alle zwei Wochen gemeinsam ins Schwimmbad – zum Gewöhnen, zum Spaß haben und zum gemeinsamen sich weiter vorantasten, was sie eigentlich gerade bereits im Schwimmkurs machten, sich unsere Schnuppi aber noch nicht traute.

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Sie machte immer mal wieder regelrechte Entwicklungssprünge beim Schwimmen, Fortschritte zeichneten sich ab. Doch hatten wir auch bremsende Unterbrechungen durch Osterurlaub, Kindergarten-Freizeit, Mutter-Kind-Kur und Sommerferien, wovon letztere absolut zur Un-Zeit kamen, denn sie stand kurz vor dem Durchbruch! Ihr Schwimmlehrer hatte sich ihr hundertprozentiges Vertrauen erarbeitet. Mit ihm an seiner Seite und unserem zusätzlichen Üben und auch einfach Spaß haben im Schwimmbad, traute sie sich immer mehr:

Von Gurt, Brett und Schwimmflügeln verabschiedete sich (in dieser Reihenfolge) eines nach dem anderen. Die Schwimmflügel waren der schwerste und langsamste Abschied. Irgendwann war gar keine Luft mehr drauf, somit waren sie also eher hinderlich, doch die Psyche sagte ihr etwas Anderes. Doch dann war es nur noch einer, den ihr Schwimmlehrer aber „festhalten musste“ (= er berührte ihn lediglich) und letztendlich traute sie sich im Nichtschwimmerbecken mit einem Finger ihres Schwimmlehrers am Arm auch ganz ohne.

Hatte sie es anfänglich für ausgeschlossen gehalten, jemals im Tiefen zu schwimmen, tat sie dieses dann mit (schlappen) Schwimmflügeln, wenn ihr Schwimmlehrer nur neben ihr schwamm.

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Ins tiefe Becken „springen“? In seine Arme ja!


Der endgültige Durchbruch

Der endgültige Durchbruch kam trotz der langen Sommerferienunterbrechung, in der wir leider auch nicht so oft schwimmen gehen konnten, wie wir wollten. In der ersten Schwimmwoche waren noch kaum Kinder da, so dass Schnuppi eine sehr intensive Lehrwoche hatte. Sie gab den einen Schwimmflügel dauerhaft ab, hatte den einen schlappen noch dran. Sie sprang aus der Hocke in den Nicht-Schwimmer-Bereich des tiefen Beckens und vor allem legte sie ein ganz schönes Tempo beim Schwimmen an den Tag!

An dem Sonntag vor der nächsten Schwimmwoche gingen auch wir als Familie schwimmen. Ich wollte Schnuppi unbedingt helfen, diesen einen Schwimmflügel auch noch loszuwerden. Erst noch mit festhalten und dann… dann redete ich ihr gut zu und ließ sie los… und Schnuppi?

Sie schwamm!

Erst noch mit hektischen Bewegungen, aber auf mein gutes Zureden hin, wurden ihre Bewegungen wieder ruhiger, so als hätte sie die Schwimmflügel noch um. Und sie schwamm und schwamm… Zügig, sicher, ruhig!

Mit neuem Selbstbewusstsein ging sie in die neue Schwimmwoche, in der sie nun zu den Fortgeschrittenen wechselte. Der Abschied von ihrem Schwimmlehrer fiel ihr zwar einerseits schwer, aber andererseits warteten im anderen Kurs Freundinnen von ihr, das tiefe Becken machte ihr keine Angst mehr und die Tatsache, nun zu denen im Schwimmerbecken zu gehören, gab ihr ganz neuen Mut und noch eine wertvolle Portion Selbstvertrauen.

Unzufrieden sah ich zu, wie Schnuppi allerdings als ersten Akt zwei fett aufgeblasene Schwimmflügel übergestülpt bekam. Ich legte mein Veto ein, aber ihre jetzige Schwimmlehrerin sagte mir, dass sie erst schauen müsse, wie Schnuppi schwimmt und dann stetig die Schwimmhilfen reduziert. Und es war stetig – und zwar nach jeder Bahn, die sie immer bis zum Ende durchzog. Am Ende der Stunde blieb ihrer Schwimmlehrerin nur noch, mir mitzuteilen, dass sie das Schwimmen fürs Seepferdchenabzeichen bereits geschafft habe. Bitte was?!

Der Sprung ins Tiefe

Nun blieben zwei Hürden: Das Springen (ohne Schwimmhilfen) ins tiefe Becken und das Tauchen. Wir begannen mit der niedriger erscheinenden Hürde, dem Sprung. Fast ihr gesamter Schwimmkurs stand bei ihr, redete ihr zu, wartete im Wasser auf sie, sprang ihr vor. Sie konnte sich jedoch nicht überwinden. Und so war es an mir, sie hier zu begleiten. Ich ging zu ihr: „Schnuppi, Du kannst das! Du schwimmst so sicher. Spring rein und schwimm dann einfach weiter! Du schaffst das!“ … … … „SPRING!“ … … … „JETZT!“ … Sie sprang! Und fragt mich nicht, wie sie es schaffte, dass sie mit dem Kopf fast gar nicht unter ging und im Gesicht somit kaum nass wurde. 😀

Der Kopf unter Wasser

Das Tauchen wurde nochmal ein anderes Kaliber. Das Gesicht ins Wasser tauchen erschien Schnuppi einfach unvorstellbar. Sie probierte es zwar gleich in der nächsten Schwimmstunde, doch plötzlich war das Weinen wieder da. Ich wollte abbrechen, aber Schnuppi geriet regelrecht in Rage. Sie wollte das unbedingt abhaken. Sie versuchte es mit schummeln (Ring mittels Fuß zur Hand befördern) und die Tränen flossen in Strömen. Ich war fix und fertig und setzte dem ganzen ein Ende. So nicht. Nein. Keine Tränen mehr. Mein Schatz, Du schaffst das schon noch. Ich versprach, dass sie wir vor der nächsten Schwimmwoche, bevor sie erneut Kurs haben würde, zusammen üben würden. Sie müsse nicht früher wieder zum Kurs, bis sie es mit mir ausprobieren konnte. Und so sah ich zu, alle am Sonntag rechtzeitig aus den Betten zu bekommen, alle abzufrühstücken und bloß los ins Hallenbad.

„Üben wir jetzt die ganze Zeit Tauchen?“ – „Um Gottes Willen NEIN!“

Was für eine Horrorvorstellung. Fielen wir jetzt zurück in die anfänglichen Zeiten mit Angst und Tränen? Nein, das wollte ich mit allen Mitteln vermeiden. Sie hatte doch mittlerweile Spaß am Schwimmen und das wollte ich nicht gefährden. Ich versuchte also einen guten Mix aus immer mal wieder Tauchen üben und ansonsten Spaß haben beim Reinspringen und (um die Wette) Schwimmen. Ich machte mich zum Affen – nicht nur beim Springen sondern auch beim Tauchen. Mir ging absichtlich was schief, ich sprang besonders verquer hinein… Am Ende traute sie sich, das Gesicht komplett mit der Front ins Wasser zu tauchen – ein Anfang.

Ich erwartete von der am nächsten Tag folgenden Schwimmkursstunde nicht viel; hoffte einfach nur, dass sie es sich wieder trauen würde, zumindest das Gesicht komplett ins Wasser zu tauchen. Den Hauptteil der Unterrichtsstunde wird geschwommen, am Ende gehen sie tauchen. Nach dem Schwimmteil kam ihre Schwimmlehrerin total begeistert zu mir an und schwärmte davon, wie super Schnuppi immer wieder vollkommen selbstverständlich ins Wasser springe und wie unheimlich gut sie schwämme. Aber bezüglich des Tauchens war sie auch sehr skeptisch. Doch Schnuppi wollte es probieren und ich stand, wie vorher mit ihr abgemacht, am Beckenrand daneben.

„Du kannst das mein Schatz!“

Die Schwimmlehrerin warf ihr den Ring zu. Schnuppi machte sich bereit und verharrte, verharrte, verharrte… Dann ein erster Versuch… …ein zweiter… …ein dritter…

„Es fehlt gar nicht mehr viel. Du machst das super!“

…ein vierter… …ein fünfter… …ein sechster…

„Ich hab den Ring berührt!“ – „Wie toll ist das denn?! Klasse! Willst Du nächstes Mal weiterüben?“ – „Nein, jetzt!“

Was jetzt passiert ist, bereitet mir jedes Mal, wenn ich daran denke, eine Gänsehaut. Schnuppi tauchte immer und immer wieder nach dem Ring. Ihre Augen blitzten, Mut und Entschlossenheit strahlte sie aus. Dieser unbedingte Wille hat mich so dermaßen beeindruckt! Sie ist bestimmt an die zwanzig Mal mit dem Kopf unter Wasser gegangen, beharrlich, fokussiert!

…und dann war der Moment da, als sie plötzlich wieder auftauchte – mit dem Ring!

Ungläubig schaute sie uns alle, die da um das Becken herum standen an: mehrere Schwimmlehrer, ihre kleine Schwester, andere Kinder und ich. Ihr Blick war fragend, unsicher.

War es das jetzt? ABER JA DOCH!

Zitternd ging sie zu ihrer Schwimmlehrerin, sprachlos, nur mit den Augen um eine Reaktion bittend…

„Dann geh jetzt mal duschen, zieh Dich an und dann kommst Du in unsere Bademeisterkabine und holst Dir Dein Seepferdchen-Abzeichen ab!“

BÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄMM!!!


Habemus Seepferdchen

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Und so hält Schnuppi nun zu Recht voller Stolz ihr Seepferdchen in den Händen!
Von Anfang März bis Anfang September, aber mit jeder Menge Unterbrechungen, hat sie ihr Abzeichen in (denkt man an den Start) unfassbaren sechsundzwanzig Malen geschafft!

Schnuppi, ich bin so unendlich stolz auf Dich!
Meine Gefühle überwältigen mich!

Dein Mut und Dein absoluter Wille werden mir auf ewig ein Vorbild sein!

Oft habe ich gedacht, Du bist so wie ich es als Kind war, aber das stimmt nicht. Du bist mir sehr ähnlich, aber hast ein deutlich größeres Selbstbewusstsein, viel mehr Mut und einen beeindruckenden Willen! Ich weiß, Du wirst in Deinem Leben alles schaffen können, was Du nur unbedingt willst!

Deine Dich unendlich liebende Mama!

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3 Kommentare zu „Vom Fahrradfahren und Schwimmen lernen {Habemus Seepferdchen}

  1. Das mit dem Fahrradlernen ist bei uns ganz genau so! Mein Großer ist gerade am Fahrradfahren lernen. Ich hatte auch erst keine Stützräder dran … weil hat man ja heute nicht mehr. Da er aber auch kein großer Crack auf dem Laufrad war, musste ich die Stützen doch wieder ranschrauben. Er musste sich einfach noch zu sehr auf’s Treten konzentrieren. Aber jetzt packt er’s. Übrigens auch auf dem Sharky-Radl. 😉
    Das mit dem Schwimmen gehen wir nächstes Jahr an. Ich war dieses Jahr schon glücklich, dass er überhaupt ins Wasser gegangen ist.
    LG, Tina

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