aus dem Mama-Leben

An der Supermarktkasse – ein 90jähriger über die Liebe

An der Supermarktkasse…

Es ist kurz vor 9 Uhr an der Supermarktkasse vom L*dl. Angebotstag – Ihr wisst was das heißt? Trotz vieler geöffneter Kassen bilden sich immer wieder lange Schlangen. Ich habe nur noch drei vor mir , da kommt ein älterer, gebrechlich wirkender Herr auf mich zu. Das Gehen scheint ihm schwer zu fallen, seine Haltung ist gebeugt.

„Junge Dame, könnte ich wohl bitte vor? …“

Schon jetzt hätte ich ohne zu Zögern ja gesagt, wer lässt so einen älteren Herren nicht automatisch vor?

…ein 90jähriger über die Liebe

„…Ich bekomme gleich Gäste und die stehen schon vor meiner Tür. Wissen Sie, ich bin alleine, meine Frau ist schon tot.“

Seine geröteten Augen werden feucht. „Das tut mir sehr leid!“ höre ich mich sagen, während er seine Waren zwischen die meines bisherigen Vorgängers und meinen schiebt. Er wendet sich mir zu und erzählt weiter…

„Wissen Sie, sonst hat sich meine Frau um all das gekümmert. Dann war immer alles da und fertig. Ich wusste nicht, wie schwierig das alles ist. Und nun bin ich schon 90. Sie hat das bis zum Schluss so einfach geschafft. Ich hatte eine tolle Frau, wissen Sie!“

„Da haben Sie ja Glück gehabt“ erwidere ich, bekomme aber als Antwort:

„Nein, sie ist ja schon tot.“

Stille, dann fährt er fort.

„Wenn ich nach Hause kam, hab ich sie immer gefragt, was es Neues gibt. Die Kinder, ja die wohnen weiter weg. Ob sie mit denen telefoniert hat. Meist hat sie erst gesagt, es gibt nichts Neues, doch dann fiel Ihr immer noch was ein. Und wissen Sie was? Wenn sie dann fertig war mit berichten, dann hat sie immer gesagt <und weißt Du was? Ich liebe Dich! > Das hat sie ganz oft gesagt und ich habe das immer so hingenommen. Ich wusste nicht, dass das was Besonderes ist! Heute weiß ich das. Ich hatte eine ganz tolle Frau!“

In meinem Hals bildet sich so langsam ein Kloß. Ich weiß nicht, ob er merkt, wie sehr mich seine Worte berühren. Er hat noch mehr loszuwerden:

„Sie fehlt mir. Nicht nur, weil sie alles gemacht hat. Wirklich alles, verstehen Sie? Sie hat soviel gemacht, was ich nicht gesehen, nicht gemerkt habe. Sie hat es einfach gemacht und es war fertig. Es war soviel Arbeit, was sie gemacht hat. Ich merke das jetzt. Aber nein, deswegen vermisse ich sie nicht. Ich vermisse sie, weil sie mir unendlich fehlt. Ich habe sie so geliebt. Aber wissen Sie? Ich glaube an die Auferstehung. Und dann werde ich sie wiedersehen und dann werden wir uns in den Armen halten und nie wieder loslassen müssen…“

Und dann ist der ältere Herr an der Reihe. Er bezahlt, verabschiedet sich und geht…

Ob er weiß, was er da gerade alles Wertvolles gesagt hat? Was er alles verstanden hat, was viele Menschen heute nicht verstehen, nicht sehen? Werden wir wirklich erst in so hohem Alter weise?

Ich danke diesem Herren von Herzen für all seine Worte. Ich werde dieses Gespräch nie vergessen. Und weil es eben mehr als nur so ein kleiner Tweet ist, musste ich das hier mit Euch teilen – damit seine Worte noch viele mehr als nur mich und die um uns Stehenden erreichen und auch damit ich sie mir immer wieder durchlesen kann.

Danke Herr Unbekannt!

Berührte Grüße
von Eurer schnuppismama

 

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15 Kommentare zu „An der Supermarktkasse – ein 90jähriger über die Liebe

  1. Wie schön, ich hatte Tränen in den Augen.
    Mein Mann sagt das auch zu mir, wie sehr er das schätzt, wie viel ich tue (er war selber ne Weile Hausmann und Papa und kennt das also, kennt die ganzen Sachen, die man so nicht sieht, wie der nette Herr oben beschrieben hat) – ich schätze, was er leistet, auf seinen Schultern obliegt quasi unsere gesamte finanzielle Existenz (wir leben in den USA, so Hartz 4 und so Sozialleistungen wie in DE gibt es hier so nicht). Wir wissen beide, wie schwer das sein kann und schätzen es, ich glaube durchaus, dass das sehr wichtig ist, damit man sich auf einer Ebene begegnen und eben kommunizieren und agieren kann.
    Was für eine wunderschöne Geschichte.

    Gefällt 1 Person

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