Gastblogger-Woche

#Erziehung. Ich reiche dir meine Hand. von familienzuschlag {Gastblogger-Woche}

Heute lest Ihr den dritten und letzten Beitrag meiner ersten Gastbloggerwoche, in dem die wunderbare familienzuschlag ihre Gedanken mit uns teilt. Lest selbst:


 

Schnuppismama hat mich gebeten über Erziehung nachzudenken. Über meine Erziehung durch meine Eltern. Über die Erziehung meiner Tochter. Über Gemeinsamkeiten. Über Unterschiede.

„Man kann Erziehung verstehen, wie man will: Es führt kein Weg daran vorbei, dass sie praktisch immer ein Handeln zwischen Angehörigen verschiedener Generationen ist“[1]

Im Kleinsten bedeutet dies ein Handeln zwischen mir und meinem Freund als Teil der einen und unserer 14-Monate alten Tochter als Teil der anderen Generation. Über eine konkrete Definition der Erziehung haben sich aber schon größere Geister gestritten und ich möchte hier nun auf unsere ganz individuelle Situation eingehen.

Anders und doch ähnlich?

Die erste Perspektive, aus der ich das Thema betrachte, zeigt einige Unterschiede auf, die wohl mehr mit gesellschaftlichen Konventionen damals und heute, sowie lebenssituativen Kontexten zu tun haben:
Während meine Mutter mich nur ca. 6 Wochen gestillt hat, weil sie dann ihre Ausbildung beenden musste und mein Vater hauptsächlich auf mich aufgepasst hat, stille ich seit über 14 Monaten. Und ich bin glücklich damit. Meine Mutter empfand die Flasche als praktisch, weil auch andere Menschen mich (und später meine Schwester und nochmal 10 Jahre später meinen Bruder) füttern konnten. Für sie bedeutete das Unabhängigkeit und Flexibilität. Meinen Bruder hat sie 6 Monate gestillt, aber mit 3 Kindern war für sie dann der Punkt erreicht abzustillen.Wir praktizieren ein Familienbett, ich habe als Baby früh in meinem Bett geschlafen. Während ich erst mit 3 Jahren in den Kindergarten gegangen bin, der bereits um 12 Uhr zugemacht hat, geht meine Tochter seit sie 12 Monate ist in eine Ganztags-Kita -bis 14:00h momentan. (Mein Bericht zur Eingewöhnung)

Ich versuche meinem Kind durch Stillen und Familienbett Nähe und Liebe, Geborgenheit und Schutz zu geben. Ich versuche auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Gleichzeitig muss ich sie aber einen gewissen Teil des Tages betreuen lassen, weil ich und mein Freund arbeiten und keine Familie in der Nähe haben, die diese Betreuung übernehmen kann. Meine Eltern hatten andere Möglichkeiten und ich war als Kind viel bei meinen Urgroßeltern und zehre noch heute davon, dass ich sie alle kennenlernen durfte. Ich verbinde wunderschöne Kindheitserinnerungen mit ihnen.

„Das Denken über Erziehung und Bildung ist in der einen oder anderen Form immer von unseren Wünschen geprägt, von unserer Stellungnahme zur Welt und auch gegen die Welt.“[2]

So wie meine Eltern für mich, wünsche auch ich mir nur das Beste für mein Kind.

Meine Mutter hat sehr unter der Trennung von mir gelitten. Und hat bei meiner Schwester eine längere Elternzeit genommen. Letztendlich ist ihre Erfahrung aber gewesen, dass diese lange Auszeit für sie dann nicht das Richtige gewesen ist. Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich das Gefühl, dass unser Weg für mich und meine Tochter der Richtige ist. Zumindest solange es keine problematischen Situationen wie Krankheiten und vermehrt auftretende unvorhergesehene Termine gibt. In diesen Momenten stelle ich mir schon die Frage, wie dieses Konzept von Vereinbarkeit überhaupt funktionieren soll, wenn man keine Familie in der Nähe hat. Das ist, meines Erachtens nach, ein Defizit für uns und ich hoffe, dass Carli trotzdem einen engen Bezug zu ihrer Familie aufbauen kann.

Geborgen fühlen

Meine Mama hat mir eine wunderschöne Kindheit beschert. Sie hat mich unterstützt. Sie hat mir Freiräume gegeben. Sie hat sich Sorgen um mich gemacht. Sie hat Regeln aufgestellt. Meine Eltern haben versucht mir meine Wünsche und Träume zu erfüllen. Sie haben mir meine Geschwister geschenkt. Meine Eltern haben mir gezeigt, was eine Familie ist. Meine Mama ist zu allen Veranstaltungen und Aufführungen gekommen. Mein Papa hat viel gearbeitet und war unter der Woche wenig da. Er hat trotzdem sein Bestes gegeben. Meine Eltern haben mich geliebt. Sie lieben mich noch heute. Gestern erst hat meine Mama geschrieben: Wir lieben Dich. Sie zeigen mir, dass sie stolz sind. Sie zeigen Interesse.

Und doch gab es eine Zeit in meinem Leben, in der sie mich nicht gesehen haben.

Ich habe mich nicht geborgen gefühlt. Eine Zeit lang haben meine Eltern mir nicht das geben können, was ich gebraucht habe. Sie haben meine Bedürfnisse nicht wahrgenommen. Ich habe versucht diese an anderen Stellen zu stillen. Ich habe mir die Bestätigung und Aufmerksamkeit bei anderen Menschen geholt. Ich habe insbesondere meine Mama von mir weggestoßen. Ich hatte nicht mehr das Gefühl mit meinen Ängsten, Sorgen und Gedanken zu ihnen kommen zu können. Ich wollte nicht, dass sie diese Zerbrechlichkeit wahrnehmen aus Angst, sie könnten mich so nicht lieben.

Und dieser Punkt manifestiert sich für mich in die einzige Erziehungsregel, die ich mir selbst auferlege:

Ich werde immer die Bedürfnisse meine Tochter wahrnehmen.

Ich werde immer auf sie eingehen. Ich werde für sie da sein und ihr das geben, was sie braucht. Egal ob es mir widerstrebt. Ich werde mein Bestes geben. Ich werde sie sehen. Ihr Leben lang. Jeden Tag. Ich werde sie mit Liebe überschütten und nicht von ihrer Seite weichen. Sie soll wissen, dass ich da bin, wenn sie mich braucht.

„Während insbesondere der moralische und politische Idealismus prekär erscheinen mag, scheint der Idealismus im Erziehungsbereich weniger zu stören, wohl weil man im Feld der Erziehung und Bildung an Verbesserung glauben muss.“[3]

Man kann aus Fehlern lernen. Man muss nicht in der Vergangenheit verweilen und sich an möglichen Differenzen aufhalten. Ich möchte vieles genauso machen wie meine Eltern. Denn ich sehe jetzt das Produkt ihrer Erziehung. Ich sehe drei Geschwister, die zusammenhalten in allen Situationen. Ich sehe Kinder, die ihre Großeltern verehren und lieben. Ich sehe zwei Töchter und einen Sohn, die immer wieder gerne in den Schoß ihrer Mutter zurück kehren und die gerne bei ihrer Familie sind.

Letztendlich kann ich mich nicht wirklich beschweren. Meine Eltern sind tolle Eltern gewesen und sind es auch heute noch. Ich habe täglich Kontakt mit meiner Mutter. Ich bereue es, dass ich sie von mir weggestoßen habe. So wie sie es sicherlich bereut mich in dieser schwierigen Phase allein gelassen zu haben. Beides bedingt sich. Was zu Erst war, weiß ich nicht. Ich ziehe nur daraus die Erfahrung, dass ich es bei meinen Kindern nicht so weit kommen lassen möchte. Und ich weiß, dass auch erstgeborene Kinder Aufmerksamkeit bedürfen. Egal ob sie 2,6,16 oder 18 Jahre alt sind.

Und so, wie meine Mama mir ihre Hand hinhält, wenn ich sie brauche und es mir überlässt, ob ich nach ihr greife, so möchte ich auch meine Tochter meine Hand hinhalten. In der Hoffnung, dass meine Tochter meine Hand annimmt, wenn sie mich braucht.

Und ich möchte sie mit dem Wissen erziehen, dass meine Hand da sein wird so lange ich lebe.

familienzuschlag_Erziehung


[1] Hornstein, Walter: Die Erziehung und das Verhältnis der Generationen heute. In Zeitschrift für Pädagogik, Beiheft 18. 1983, S. 59.
[2] Reichenbach, Roland: Philosophie der Bildung und Erziehung. 2007. S.19.
[3] Ebd. S. 49.

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2 Kommentare zu „#Erziehung. Ich reiche dir meine Hand. von familienzuschlag {Gastblogger-Woche}

  1. Hat dies auf familienzuschlag rebloggt und kommentierte:
    Ich durfte bei schnuppismama meine Gedanken zum Thema Erziehung verbloggen!
    Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie sich meine Erziehung durch meine Eltern mit der von Carli unterscheidet. Mit ihren nun 15 Monaten spielt Erziehung noch keine Rolle – wir leben ihr vor und sind für sie da während Carli (mit uns) aufwachst.

    Gefällt mir

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