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Die unendliche Geschichte der Nicht-Vereinbarkeit #Elternmachenaufstand

Ihr kennt doch alle „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende, oder? Vielleicht kennen die Väter und Mütter unter Euch auch dieses Bild zum Thema:

unendliche Geschichte Kind Erwachsener

Ja, die liebe Wäsche ist wahrlich eine unendliche Geschichte mit Kindern, doch kann ich damit leben. So ist das nun einmal und daran lässt sich auch wahrlich nichts ändern.

Die unendliche Geschichte
der Nicht-Vereinbarkeit

Doch gibt es für mich eine unendliche Geschichte, die mich wirklich wütend macht und wo man etwas ändern könnte und muss! Es ist die unendliche Geschichte der Nicht-Vereinbarkeit und der Ungerechtigkeit, die Eltern hier und heute widerfährt!

Mitgenommen habe ich Euch auf meinem Irrweg zurück in den Job als Mama. Ich versuchte es das letzte Elternzeitjahr im HomeOffice, was zunächst gut begann, zur Hälfte hin schon schwierig bis unangenehm wurde und letztendlich ein übles Ende nahm, welches mir Bauchschmerzen und schlaflose Nächte einbrachte.

Dass ich aus meiner Elternzeit heraus in meinen alten Job zurück konnte und zudem noch für selbigen einen unbefristeten Teilzeit-Festvertrag mit zwei Vormittagen die Woche hatte, ist schon eine wahre Seltenheit und mehr als nur Glück. Dies verdanke ich einem wunderbaren, familienfreundlichen Chef, der seinesgleichen (meist vergeblich) sucht!

Viele Kollegen sehen das nicht so und lassen mich spüren, was sie von meiner geringen Arbeitszeit halten – und wir sprechen hier von Familienvätern! Müssten die es nicht anders sehen? Oder denken sie, dass es sich für so eine Teilzeitstelle mit entsprechendem Gehalt, welches dann noch der Lohnsteuerklasse 5 zum Opfer fällt, eh nicht lohnt? Die Rente kann ich nach meiner Elternzeit sowieso nicht mehr retten. Ist es zu fassen, dass bereits EIN DRITTEL meiner Rente nach zwei Kindern und damit einhergehenden fünf Jahren Elternzeit EINFACH WEG ist? Wie kann das sein? Wieso verliere ich durch das Aufziehen der zukünftigen Steuer- und damit Rentenzahler meine eigene Rente?

Mama sucht Job in Teilzeit

Nun darf ich mich ja immerhin glücklich schätzen, eine derartige Festanstellung zu haben. Doch schien es eine Zeit lang, als könne ich diese, aufgrund der Fahrtzeiten und fehlender adequater Betreuung sowie nicht so flexibel wie nötig anpassbaren Betreuungszeiten, nicht weiter bewerkstelligen. Also begab ich mich im Frühjahr letzten Jahres auf das Minenfeld „Mama sucht Job in Teilzeit“.

Ich durchsuchte sämtliche und alle Jobportale und bewarb mich auf jede Stellenausschreibung (in Teilzeit), die ungefähr zu mir passen könnte. Eine (Online-) Bewerbung nach der anderen ging raus  und eine Absage nach der anderen trudelte als Antwort darauf ein – wenn es denn überhaupt eine Antwort gab.

Zugegeben, ich bewarb mich ebenfalls auf Stellen, wo ich entweder noch nicht viel Erfahrung hatte oder aber wohl leicht überqualifiziert war, dennoch möchte ich es nicht als Zufall abtun, dass die ersten Einladungen zu Bewerbungsgesprächen eintrudelten als ich meine Kinder aus dem Lebenslauf löschte.

Doch frage ich mich, was die Leute denn denken, wer sich auf Stellen mit so geringem Stundenumfang bewirbt? Die staunenden Blicke bei den folgenden Gesprächen, dass ich Mutter sei, machten mich sprachlos. Doch Mütter, nein, die passen einfach nicht zu den Anforderungen, die keineswegs aus fachlicher Sicht zu hoch waren, sondern die geforderte Flexibilität betrafen: wenige Stunden bei ständiger Verfügbarkeit. Arbeiten auf Abruf könnte man es auch nennen. Doch meine Kinderbetreuung bekomme ich eben nicht auf Abruf. Hieße: Vollzeit Kinderbetreuung buchen bei schlechten Teilzeitgehalt – ein Minusgeschäft!

Vierzig Bewerbungen habe ich insgesamt geschrieben, nach den ersten zwanzig löschte ich meine Kinder aus dem Lebenslauf und am Ende hatte ich exakt drei Jobangebote mit mehr als schlechter Bezahlung. Klar, mit Müttern kann man es ja machen, die kriegen sonst ja nichts. Es war einfach nur schockierend!

Die Nicht-Vereinbarkeit von Arbeits- und Betreuungszeiten

Doch damit sind ja eh noch nicht genug Steine in den Weg zur Vereinbarkeit gelegt. Die nächste, teils unüberwindbare Hürde, ist die Vereinbarkeit der Arbeits- mit den Betreuungszeiten. Die schon angesprochene Flexibilität wird im Arbeitsleben vehement an allen Ecken und Enden eingefordert. Ebenso fordert der Kindergarten eine überpünktliche Abholung. Und selbstverständlich muss man als Eltern für beides vollstes Verständnis haben, den Spagat aushalten und sich zwischen diesen gegensätzlichen Anforderungen zerreissen. Kommt dann noch eine dritte Instanz, nämlich neben Arbeit und Kindergarten noch die Schule hinzu, weiß man gar nicht mehr, wie man es noch vereinbaren soll.

Mit der Teilzeit ist es ja auch so eine Sache. Hat man einen etwas längeren Arbeitsweg, macht es in Teilzeit einfach mehr Sinn, diese an zwei bis drei Tagen mit mehr Stunden zu leisten, als jeden Tag ein paar Stunden plus täglich die Fahrtzeit. Doch lässt sich die Kinderbetreuung nicht grundsätzlich problemlos daran anpassen. Ich für meinen Teil möchte nämlich nicht nur aus finanziellen Gründen die Betreuungszeiten meiner Kinder an meinen Nicht-Arbeitstagen gering halten, sondern möchte die Zeit, die ich habe, auch mit meinen Kindern verbringen.

Die berufstätige Mutter – Realität vs. Image

Dass Eltern sein ein teures „Ehrenamt“ ist, darüber habe ich meinem Ärger bereits einmal Luft gemacht. Bist also DU der Elternteil (es sind natürlich nicht immer nur die Mütter), der sich hauptsächlich um die Kinder(betreuung) kümmert, kann das für Dich bedeuten:

  • Teilzeitarbeit
    Diese bringt ein geringeres Einkommen, eine höhere Steuerbelastung und den Unwillen der KollegInnen mit sich.
  • HomeOffice
    Solltest Du es wagen, Teile Deiner Arbeit im HomeOffice zu erledigen, kann Dir, mal vom Chef und ganz direkt (selbst erlebt) oder aber von den werten KollegInnen hinter dem Rücken getuschelt, durchaus unterstellt werden, gar nicht wirklich / die ganze Zeit / ordentlich zu arbeiten.

Du büßt also Geld und Ansehen dafür ein, dass Du die zukünftigen Steuerzahler für teuer Geld großziehst. Ja, ja, ich wollte ja Kinder und dann weiß man das doch. Ganz ehrlich? Nein, teilweise ahnte ich das so in diesem Ausmaß nicht. Und selbst wenn: Ist das etwa ein Argument dafür, dass das in Ordnung ist?

In meiner Mutter-Kind-Kur im Frühling diesen Jahres habe ich hierüber bereits vor meinem Wiedereinstieg sehr viel Erhellendes zu hören bekommen. Wir können noch soviel von Emanzipation reden, wirkliche Emanzipation ist es niemals geworden.

Die Anforderungen, die heute an eine berufstätige Mutter gestellt werden, sind faktisch nicht zu erfüllen.

Und genau das führt eben auch dazu, dass Mütter einfach keinen guten Ruf in unserer Gesellschaft haben, obgleich sie dieser einen ernormen Dienst erweisen!

Und so rackern sich die Mütter ab, alles irgendwie erledigt zu bekommen und dabei bleiben zum einen sie selbst und zum anderen die kostbare Zeit mit dem Kind/den Kindern auf der Strecke.

Ich möchte Euch hierzu gerne auch noch den Beitrag von Mama Notes ans Herz legen, wo sie genau das anprangert: die Unmöglichkeit der Vereinbarkeit!

Die Muttertagswünsche sind geblieben

Ich hoffe, viele haben die Aktion #Muttertagswunsch rund um den diesjährigen Muttertag mitbekommen. Hier haben nicht nur Mütter, sondern allgemein Eltern ihre wahren Wünsche geäußert. Wunschkonzert? Mit nichten! Hier wurden konkrete Probleme und Bedürfnisse formuliert. Auch ich habe mich daran zunächst via Twitter beteiligt:


In einem anschließenden Blogpost zur Aktion von mutterseelesonnig habe ich nicht nur meine sondern auch einige gesammelte Tweets, die mir ebenfalls aus der Seele sprechen. So ist dieser #Elternmachenaufstand – Aufruf für mich heute sowohl Ergänzung als auch Update zur #Muttertagswunsch –Aktion und meinen bisherigen Blogposts. Denn das Thema brennt noch immer, eine wirkliche Entlastung scheint nicht in Sicht!


Gelassenheitsgebet

Und wenn ich jetzt an das „Gelassenheitsgebet“ denke, dann nehme ich die Wäscheberge in Kauf, die Ungerechtigkeit, die Eltern zuteil wird aber nicht:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


Laura von Heute ist Musik hat diesen Aufruf an Eltern und Elternblogger gestartet. Lasst uns laut sein, lasst uns viele sein!

Veröffentliche auch DU Deinen #Elternmachenaufstand!

Eure schnuppismama

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12 Kommentare zu „Die unendliche Geschichte der Nicht-Vereinbarkeit #Elternmachenaufstand

  1. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es schier unmöglich ist, als Mutter eine zum Leben mit Kindern passende Teilzeit-Arbeitsstelle zu bekommen. Ich habe mich auf Stellen beworben, für die ich wohl ebenfalls überqualifiziert war. Aber heißt „überqualifiziert“ gleich „nicht leistungsbereit“? Für mich keinesfalls. Das sehen Arbeitgeber in Deutschland wohl generell anders. Am Ende war ich unendlich dankbar, dass mein alter Arbeitgeber sich flexibel gezeigt hat, denn eine neue fair bezahlte Teilzeit-Stelle hätte ich vermutlich nirgendwo bekommen. Die einzigen für mich passenden Teilzeit-Stellenangebote waren fast alle so gestrickt, dass sie für eine Mutter nicht erfüllbar sind: Teilzeit, aber in Urlaubs- und Krankheitszeiten der Kollegen sollte man ganz flexibel Vollzeit arbeiten. Welche Kita macht das mit?

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      1. Danke. Ja, ich möchte gut für mein Kind da sein und gleichzeitig gut im Job sein und das geht aus meiner Sicht am Besten, wenn ich etwas mache, für das ich leicht oder stärker überqualifiziert bin. Aber niemand gibt mir die Chance. Ich soll mich lieber übernehmen und davon haben meine Familie und auch mein Arbeitgeber nichts.

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  2. Hallo!

    Die Erfahrung mit dem „Kinder-aus-dem-Lebenslauf-löschen“ habe ich auch gemacht – aber nicht ICH habe gelöscht, sondern der Headhunter bevor er die Daten an eine Firma weitergeleitet hat. Ich hab ihn dann ziemlich niedergemacht, das geht doch gar nicht!!!

    Ich arbeite ja Vollzeit+ (bin ja Alleinverdienerin), kann mir aber vorstellen, dass es fast schwieriger ist, einen Teilzeit-Job zu bekommen. Und wenn – dann einen, der vielleicht nicht ganz der Qualifikation entspricht. Das ist wahnsinnig schade. In anderen Ländern gibt es schon Modelle, wo sich zwei Personen, einen Job „teilen“. Ich denke hier muss noch viel an Umdenken geschehen! Sowohl in den Firmen, als auch bei den Kollegen (Neid! Neid!, wenn eine Mutter im homeoffice arbeitet. Vermutung: „die wäscht jetzt die Wäsche“) als auch politisch.

    Hoffen wir mal, dass da noch was kommt. Bis es so weit ist, sind Sophie und Sebastian ausgezogen…

    Alles Liebe,

    Mama von Sophie und Sebastian

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  3. Ja, Jaaaaa und nochmals Ja! Das Hamsterrad dreht sich immer schneller, ich renne und renne und habe das Gefühl, alles bleibt trotzdem auf der Strecke. Egal wie sehr ich mich bemühe, ich werde keine Chance haben, alles so zu machen, wie es (für mich?) zufriedenstellend ist. Denn dann müsste ich aufhören (teilzeit) zu arbeiten oder aufhören Mama zu sein und beides ist keine Option. Also renne ich weiter… und füge mich diesem Wahnsinn. Denn ich bin froh darüber, dass ich zwei tolle Kinder und einen Job habe, der mir das ermöglicht.

    Du hast so recht mit allem was du schreibst! Ich wurde schon öfter gefragt, wieso ich überhaupt arbeite, ich hätte schließlich Kinder… so sieht das Bild der „guten“ Mutter halt aus in der Gesellschaft 😦

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      1. Hier „im Osten“ sieht es auch ganz anders aus als z.Bsp. in manchen „westlichen“ Bundesländern… Während ich hier eine der wenigen bin, die NICHT voll arbeitet (und dann gezwungen sind, ihre Einjährigen 9+ Stunden in der Kita abzugeben), um das Eigenheim zu finanzieren, kenne ich widerum einige andere Mütter (aus den alten BL), die wesentlich weniger oder eben gar nicht arbeiten um selber ihre Kinder bis mindestens 3 oder länger zu Hause zu betreuen. Für mich wären aber beide „Extreme“ nichts. So versuchen wir den Kompromiss und verzichten aufs Haus und ich verbringe stattdessen die Nachmittage mit meinen kleinen Kindern. Sie sind ja nur einmal klein und Zeit ist wichtig! Trotzdem, wie gesagt, ist es kaum schaffbar, irgendwie allem gerecht zu werden.

        PS: Nichts war wertend gemeint! Es muss jeder für sich seinen Weg gehen und entscheiden, was am besten ist.

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      2. Mittlerweile gibt es tatsächlich auch im Westen viele Mütter die (gerne) Vollzeit arbeiten oder zumindest annähernd. Und dann gibt es natürlich die, die es müssen.
        Jede Familie hat andere Bedürfnisse und Wünsche und ich finde, dass diese auch unterstützt werden müssen. Was wäre denn, wenn keiner mehr Kinder kriegen kann/will?! Es ist so traurig, so beschämend, so himmelschreiend ungerecht!

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